Archiv für Februar 2014

Erhalt des Instituts für Klassische Archäologie und des Antikenmuseums der Universität Leipzig

Hier die Onlinepetition zum Erhalt der Klassischen Archäologie in Leipzig. Bitte unterschreiben!

Was bringt eigentlich eine Regelstudienzeit, die im Grunde keine ist?

Nach aktuellen Verlautbarungen des statistischen Bundesamtes schaffen 2 von 5 Studierenden den Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit.
Dies betrifft alle Abschlüsse bis zur Promotion (also Bachelor, Master und Magister/Diplom). Die Quote erhöht sich rapide auf 77 %, wenn nun 2 Semester addiert werden.
Ursprünglich wurde die Regelstudienzeit als Rechtsanspruch für Studierende eingerichtet, um bei etwaigen Streichungen von Fächern (siehe aktuell die Klassische Archäologie in Leipzig) das Studium dennoch beenden zu können.
Wer legt diese Zeitspanne also fest? Im Grunde wird dies in der jeweiligen Prüfungsordnung des Fachs geregelt. Allzu frei ist dieser Gestaltungsspielraum hier aber nicht, da die jeweiligen Hochschulgesetzgebungen einen engen Rahmen bereits vorgeben (für Berlin siehe BerlHG § 23).

Es drängt sich hier die Frage auf, ob und inwiefern eine Änderung der Regelstudienzeit nach oben doch sinnvoll wäre. Schließlich ist an diese Zahl eine Reihe an finanziellen Aspekten gekoppelt. Neben der Dauer des BAföG-Anspruchs ist nicht zuletzt die Finanzierung der Institute selbst davon abhängig. Allein diese beiden Aspekte haben unmittelbar Einfluss auf den Alltag der Studierenden. Die Beihilfe des Staates ermöglicht in vielen Fällen überhaupt erst ein Studium für Menschen, deren Familien nicht über die nötigen Rücklagen verfügen und die Institutsfinanzen bestimmen u. a. den Bibliotheksbestand und etwaige Stellen. Nicht zuletzt erzeugt die in der neueren Vergangenheit erfolgte Umdeutung der Regelstudienzeit durch die Universitäten hin zu einem Geschwindigkeitsanspruch einen nicht unwesentlichen Druck auf die Studierenden selbst.

Die Grafik von Zeit online schlüsselt die Regelstudienzeit einzelner Studienfächer auf und naturgemäß zeigt sich, dass geisteswissenschaftliche Fächer ein längeres Studium erfordern. Vor allem zeigt sich aber, dass einzig bei der Humanmedizin von einer tatsächlichen Regel (also im Sinne einer einfachen Mehrheit) zu sprechen ist.

Zeit Diagramm

Die ur- und frühgeschichtliche Archäologie präsentiert sich indes seit dem Beginn der statistischen Erhebung mit der Einführung des Bologna-Systems allerdings als erstaunlich „regelhaft“. Mit 5,9 Semestern im Median für das Erststudium im Fach scheint der Plansoll also erfüllt. Allerdings wurden hier nur 33 Abschlüsse in die Statistik integriert. Allein das hiesige Institut zählte 2012 17 abgeschlossene Bachelorarbeiten. Dem gegenüber stehen allerdings 169 Absolvierende (die höchste Zahl seit Aufzeichnung) aus dem Bereich der allgemeinen Universitätsabschlüsse mit einer Durchschnittssemesterzahl von 13,3. Selbst wenn hier tatsächlich nur Magisterabschlüsse gemeint sind, ist eine längere Studiendauer klar ersichtlich.
Bedeutet dies nun, das Bologna zu einer, durchaus von den Universitätsleitungen gewünschten, Beschleunigung geführt hat oder zeigt sich hier eine statistische Verschiebung aufgrund fehlender oder ungenau übertragender Daten? Die Bachelor-Statistik kann die Anzahl der Studierenden, die Ihren Abschluss real erst im ersten vorläufigen Mastersemester ablegen, nicht offenbaren. Gleichfalls sprechen auch die völlig fehlenden Masterabschlüsse (trotz des offensichtlichen Vorhandenseins) für eine statistische Verschiebung oder eine ungenaue Datenerhebung.
Möglicherweise werden aber auch einige prähistorische Institute generell innerhalb der „Archäologie“ geführt. Dort zeigt sich in der Verteilung von 303 Bologna- und 127 anderen Abschlüssen ein deutlich realistischeres Bild (Fächer wie die Ägyptologie, Altorientalistik, Byzantinistik und Archäometrie werden hierbei dennoch separat gelistet). Die Regelstudienzeit ist dabei ähnlich: sechs Semester im Durchschnitt für das Bachelor-Erststudium und 12,5 Semester bei den allgemeinen (also Magister-) Abschlüssen.

Einer vorbehaltlosen Erhöhung der Regelstudienzeit aufgrund dieser Daten für die prähistorische Archäologie ist sicher nur mit Vorsicht zu begegnen. Dies gilt im Übrigen aber auch für die Beibehaltung, da die Daten zu streitbar sind. Der allgemeine Trend, der sich auch aus den vielen anderen Studiengängen ergibt, spiegelt jedoch zumindest die gefühlte Studienrealität wieder. Im Sinne der Chancenwahrung im Hinblick auf die unterschiedlichen individuellen Situationen der Studierenden (überfüllte Seminare und Vorlesungen, gleichzeitige Termine von Pflichtveranstaltungen, der Ausfall von Kursen, die eigene Familie oder schlicht die Notwendigkeit eines (zeitaufwendigen) Nebenjobs zur Finanzierung des Studiums und des Lebens) und des ursprünglichen Zwecks der Regelstudienzeit wäre die Anpassung an die Realitäten durch eine Erhöhung um jeweils 2 Semester durchaus erstrebenswert.

Abgesehen von den Problemen mit der Regelstudienzeit zeigt die Ausarbeitung des statistischen Bundesamtes aber auch den deutlich erhöhten Zulauf an Studierenden zum Fach. Die komplette Ausarbeitung findet Ihr: hier! Die Kennzahlen der Archäologie und der Ur- und Frühgeschichte auf Seite 324.